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Laborwerte verstehen: Blutuntersuchungen

Einleitung
Wer
hat es bei einem Arztbesuch nicht schon selbst einmal erfahren. Man
bekommt mehrere Röhrchen feinstes Venenblut abgenommen, um damit verschiedene
Laboruntersuchungen durchzuführen. Doch was für Untersuchungen sind
das eigentlich? Welche Informationen erhält der Arzt durch diese?
Zu den allgemeine Blutuntersuchungen gehören die Erstellung eines
kleinen Blutbildes und/ oder einer Blutsenkung. Zusatzinformationen
erhält der Arzt bei Bedarf aus dem sogenannten Differentialblutbild
(großes Blutbild) und aus organspezifischen bzw. erkrankungsspezifischen
Parametern, wie z.B. dem Blutzucker-Wert, dem Cholesterin-Wert oder
dem Harnsäure-Wert. Diese geben Aufschluß über die jeweilige Organfunktion
bzw. Erkrankung.
Auf den folgenden Seiten möchten wir Ihnen zunächst
die Bedeutung der allgemeineren Blutuntersuchungen - also des kleinen
Blutbilds und der Blutsenkung - erläutern.
Laborwerte verstehen: Blutuntersuchungen
Kleines Blutbild
Das kleine Blutbild gibt Auskunft über den
Zustand wichtiger Blutbestandteile. Es beinhaltet folgende Werte:
Leukozyten, Thrombozyten, Erythrozytenzahl, Hämatokritwert, Hämoglobingehalt,
MCV, MCH (Hb/E) und MCHC.
Leukozyten
Leukozyten (weiße Blutkörperchen) sind die "Polizei" des Blutes. Beim
Eindringen von Erregern (Bakterien, Parasiten, Fremdkörpern etc.)
in unseren Organismus treten sie in verstärktem Maße auf und erfüllen
Ihre Funktionen, die in erster Linie aus der Unschädlichmachung des
Eindringlings bestehen.
Normalwert:
4000 - 9000 / mmÞ
Erhöhte Werte:
Eine Erhöhung der Leukozyten (Leukozytose) kann durch jede körperliche
Belastung, aber auch durch Streß ausgelöst werden. Die häufigste Ursache
für eine Erhöhung stellen allerdings Entzündungen, die nicht durch
Viren hervorgerufen werden, dar. Auch eine entfernte Milz kann unter
Umständen zu einer jahrelangen Leukozytose führen, da sie die Leukozyten
nicht mehr speichern kann. In diesem Fall ist dann allerdings auch
die Zahl der Thrombozyten (Blutplättchen) erhöht.
Verminderte Werte:
Eine Verminderung der Leukozyten (Leukopenie) tritt
vor allem bei schwersten Infektionen auf, wo der Speicher in Milz
und Knochenmark aufgebraucht ist. Verschiedene Infektionskrankheiten
haben als charakteristisches Symptom eine Leukopenie, wie z.B. Typhus
oder Masern.
Thrombozyten
Thrombozyten (Blutplättchen) sind für die Blutgerinnung von großer
Bedeutung. Sind zu wenig von ihnen vorhanden oder sind sie in ihrer
Funktion gestört, kann es zu Blutungen kommen. Vermehrt sich ihre
Zahl allerdings können sich Blutpfropfen (Thromben) bilden, die einen
Venenverschluss (Thrombose) zur Folge haben können.
Normalwert:
150000 - 400000 / mmÞ
Erhöhte Werte:
Eine Vermehrung der Thrombozyten
ist besonders nach akuten Blutungen und massiven Infektionen zu beobachten.
Auch nach Entfernung der Milz ist ihre Zahl stark erhöht, da die Milz
als Speicherorgan ausfällt.
Verminderte Werte:
Die Zahl der Thrombozyten
nimmt durch einen Mangel an Vitamin B12 und Folsäure (Perniziöse Anämie)
stark ab, wobei die verbleibenden Thrombozyten deutlich vergrößert
sind. Auch bei einer Vergrößerung der Milz nimmt die Zahl der Thrombozyten
im Blut ab, da sie vermehrt in die Milz geschleust werden. Treten
starke Blutungen auf, bedingt dies ebenfalls eine Abnahme der Thrombozytenzahl.
Erythrozyten
Erythrozyten (rote Blutkörperchen) sind in unserem
Körper für den Transport des Sauerstoffs zu den Zellen, sowie des
Kohlendioxids von den Zellen zu den Lungenbläschen verantwortlich.
Der Sauerstoff bzw. das Kohlendioxid werden im Erythrozyten an das
Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, gebunden.
Normalwert:
Frau= 4,2 - 5,4 Mill./mmÞ ; Mann= 4,6 - 6,2 Mill/mmÞ
Erhöhte Werte:
Die Erythrozytenzahl, sowie das Hämoglobin und das Hämatokrit kann
sich infolge von starkem Flüssigkeitsverlust (Pseudoglobulie) relativ
zum Blutvolumen erhöhen. Bei ausreichendem Flüssigkeitsgehalt normalisiert
sich der Wert wieder. Bei der echten Polyglobulie kann eine Ursache
in der Erhöhung des blutbildenden Hormons Erythropoetin liegen. Allerdings
kann die Polyglobulie auch bei chronischen Lungenleiden und manchen
Herzerkrankungen auftreten.
Verminderte Werte:
Ist die Erythrozytenzahl
vermindert, so spricht man von einer Anämie. Eine Anämie hat die verschiedensten
Ursachen und wird nicht allein durch die Erythrozytenanzahl charakterisiert,
sondern auch durch deren Größe und Hämoglobingehalt. Eine Anämie kann
bei akuten Blutungen, bei Unterschreitung der Lebensdauer der Erythrozyten
(ca. 120 Tage), aber auch, wenn ihre Reifung oder ihre Bildung gestört
ist, entstehen. Bei einem Mangel an Vitamin B12 und Folsäure, sowie
an Eisen entwickelt sich ebenfalls eine Anämie. Darüber hinaus gibt
es noch weitere Ursachen, die zu erläutern hier zu weit führen würde.
Hämatokrit
Hämatokrit ist die Gesamtheit aller festen Bestandteile
(Blutzellen), in Bezug auf das Blutvolumen. Er wird in Prozent angegeben.
Dieser Wert bezieht sich hauptsächlich auf die Erythrozyten, da diese
ca. 96% der festen Blutbestandteile ausmachen.
Normalwert:
Frau = 37 - 47% ; Mann = 40 - 52%
Hämoglobin
Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) ist ein weiterer wichtiger Wert zur
Beurteilung einer eventuellen Blutarmut (Anämie). Das Hämoglobin befindet
sich in den Erythrozyten und hat als wichtigste Aufgabe die Bindung
von Sauerstoff und Kohlendioxid, jeweils im Austausch, um diese Stoffe
zu den Zellen hin bzw. von den Zellen weg zu transportieren. Sein
zentraler Bestandteil ist das Eisen.
Normalwert:
Frau = 12 - 16 g/dl ; Mann = 14 - 18 g/dl
Weitere Werte zur Beurteilung der Erythrozyten sind MCV
(Mittleres Corpusculäres Volumen), MCH (Mittleres Corpusculäres
Hämoglobin) und MCHC (Mittlere Corpusculäre Hämoglobinkonzentration).
MCV(Mittleres Corpusculäres Volumen)
MCV bezeichnet die durchschnittliche
Größe (Volumen) eines Erythrozyten. Diese ist zur Unterscheidung,
z.B. einer normozytären (normal große Erythrozyten) von einer mikrozytären
(zu kleine) oder makrozytären (zu große) Anämie, von Bedeutung.
Normalwert:
80 - 100 fl
MCH(Mittleres Corpusculäres Hämoglobin)
MCH oder auch Hb/E,
charakterisiert den einzelnen Erythrozyten nach seinem Hämoglobingehalt.
Ist dieser Gehalt normal, spricht man von einem normochromen Blutbild,
ist er erniedrigt, von einem hypochromen und ist er erhöht von einem
hyperchromen Blutbild.
Normalwert:
28 - 34 pg
MCHC(Mittlere Corpusculäre Hämoglobinkonzentration)
MCHC gibt die Hämoglobinkonzentration in Bezug zur Größe des einzelnen
Erythrozyten an. Ist dieser Wert hoch, so enthält der Erythrozyt relativ
viel Hämoglobin und umgekehrt.
Normalwert:
30 - 35 g/dl Erythrozyten
Blutsenkung BSG
Der Wert für die Blutkörperchen-Senkungs-Geschwindigkeit
ist in den Laborberichten mit BSG abgekürzt. Er ist als solcher uncharakteristisch,
vermittelt aber, daß im Organismus etwas nicht in Ordnung ist. Dies
macht weiterführende Untersuchungen erforderlich. Die BSG wird ermittelt,
indem ungerinnbar gemachtes Blut in ein graduiertes Röhrchen gegeben
und nach 1 bzw. 2 Stunden abgelesen wird, wieweit die Blutkörperchen
abgesunken sind. Die Sinkgeschwindigkeit hängt zum einen von der Menge
der Blutkörperchen (Hämatokritwert) und zum zweiten von der Menge
der Globuline (vorwiegend Antikörper) ab. Daraus folgt, je höher der
Hämatokritwert (Gesamtheit aller fester Bestandteile), desto niedriger
ist die BSG und je höher die Globuline desto, höher die BSG.
Normalwert:
Frau Mann nach 1 h 6 - 11 mm 3 - 8 mm nach 2 h 6 - 20 mm 5 - 18 mm
Erhöhte Werte:
Eine erhöhte BSG deutet in den meisten Fällen
auf entzündliche Prozesse im Körper hin, da bei diesen die Globuline
im Blut erhöht sind. Als Ursache hierfür kommen Bakterien, Viren,
aber auch rheumatische Prozesse in Betracht. Erhöhte Werte ohne Krankheitsbild
kommen häufiger bei Menschen über 60 Jahren vor. Man vermutet, daß
dies im Zusammenhang damit steht, daß ältere Menschen häufiger unter
chronischen Entzündungen leiden. Eine weitere Ursache ist auch in
einer Anämie zu finden, da hier der Hämatokritwert erniedrigt ist.
Verminderte Werte:
Einer niedrigen BSG kann eine Polyglobulie (vermehrte
Erythrozyten) zu Grunde liegen, aber auch Lebererkrankungen (verminderte
Globuline) können dazu führen. Außerdem können bestimmte Medikamente,
wie u.a. Kortison und Acetylsalicylsäure, die Senkung herabsetzen.
Wir haben Ihnen hoffentlich mit dieser ersten
Übersicht und Erläuterung zu einem besseren Verständnis Ihrer Blutuntersuchungen
verholfen. Weitere Fragen zu diesem Thema beantworten wir gerne
bei Ihrem nächsten Besuch in der Löwen-Apotheke.
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